Die am weitesten verbreiteten Praxisverwaltungssysteme in Spanien
Entdecken Sie Spaniens regionale Praxisverwaltungsplattformen: Diraya, HC3, CGM Selene und weitere. Verstehen Sie Beschaffungsprioritäten und Interoperabilitätsherausforderungen

Der spanische Gesundheits-IT-Markt zählt zu den strukturell komplexesten in Europa – nicht wegen einer einzigen dominierenden Plattform, sondern weil es keine landesweit führende Lösung gibt. Da die Gesundheitskompetenzen auf 17 autonome Gemeinschaften übertragen wurden, hat jede Region in den letzten drei Jahrzehnten ihre eigene Infrastruktur für das Versorgungsmanagement entwickelt, beschafft oder angepasst. Für Entscheidungsträger im Gesundheitswesen, die Beschaffungsoptionen bewerten, ist das Verständnis dieser fragmentierten Landschaft die zentrale Herausforderung.
Wie Spaniens dezentrales Gesundheitssystem die Plattformeinführung prägt
Die Übertragung der Gesundheitskompetenzen auf Spaniens autonome Gemeinschaften erfolgte schrittweise in den 1980er-Jahren und wurde 2002 abgeschlossen. Das Sistema Nacional de Salud (SNS) fungiert als koordinierender Rahmen, nicht als zentralisierte operative Behörde. Beschaffungsentscheidungen, einschließlich der Auswahl von Systemen für Patientenakten, Versorgungsmanagement und Patientenverwaltung, werden auf regionaler Ebene von den jeweiligen Gesundheitsdiensten (servicio de salud) der Gemeinschaften getroffen.
Diese Struktur hat eine Landschaft hervorgebracht, in der Systeme für Patientenakten eigenständig von jeder Region entwickelt und eingesetzt wurden. Krankenhausinformationssysteme sind seit den frühen 1990er-Jahren im Einsatz. Die praktische Konsequenz für Entscheidungsträger ist erheblich: Eine Plattform, die in Andalusien tief verankert ist, kann im Baskenland überhaupt nicht vertreten sein. Die Interoperabilität zwischen regionalen Systemen bleibt eine anhaltende, ungelöste Herausforderung.
Laut Schätzungen von Grand View Research erzielte der spanische Markt für Krankenhausinformationssysteme im Jahr 2025 einen Umsatz von 1.019,8 Millionen USD. Bis 2033 wird ein Anstieg auf 1.597,5 Millionen USD erwartet, bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 5,8 Prozent. Marktgrößenangaben von kommerziellen Forschungsunternehmen variieren jedoch erheblich zwischen den Anbietern und sollten eher als Richtwert denn als maßgeblich betrachtet werden. Webbasierte Bereitstellung stellt derzeit das größte Segment dar. Cloud-basierte Lösungen wachsen am schnellsten.
Die dominierenden öffentlichen Plattformen nach Region
Andalusien: Diraya
Diraya ist eines der ausgereiftesten regionalen Gesundheitsinformationssysteme Spaniens. Es wurde vom andalusischen Gesundheitsdienst (Servicio Andaluz de Salud, SAS) entwickelt und fungiert als integrierte Plattform, die sowohl die hausärztliche als auch die stationäre Versorgung im öffentlichen Netzwerk Andalusiens abdeckt. Sie bietet eine einheitliche Patientenakte, Terminverwaltung, E-Verschreibung und klinische Dokumentation. Ihre Langlebigkeit und ihr Umfang machen sie zu einem Referenzpunkt in Diskussionen über die Entwicklung regionaler Systeme für Patientenakten in Spanien. Sie wird häufig als Modell für integrierte Gesundheits-IT im öffentlichen Sektor genannt.
Katalonien: HC3 und die gemeinsame klinische Akte
Die Historia Clínica Compartida de Catalunya (HC3) ist Kataloniens gemeinsame klinische Akteninfrastruktur. Sie wurde entwickelt, um die Interoperabilität im gemischten öffentlich-privaten Anbieter-Ökosystem der Region zu unterstützen. Im Gegensatz zu Systemen, die um eine einzelne Organisation herum aufgebaut sind, arbeitet HC3 als föderiertes Modell. Es ermöglicht autorisierten Behandlern in verschiedenen Einrichtungen den Zugriff auf eine konsolidierte Patientenakte. Diese Architektur spiegelt Kataloniens besonderes Gesundheitsmodell wider, bei dem öffentliche Mittel durch ein vielfältiges Netzwerk von Anbietern fließen, darunter Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit, Krankenhauskonsortien und private Einrichtungen, die im Rahmen öffentlicher Verträge tätig sind.
Madrid: AP-Madrid, Horus und CGM Selene
Der öffentliche Gesundheitsdienst Madrids (SERMAS) arbeitet mit zwei unterschiedlichen Plattformsträngen. In der hausärztlichen Versorgung verwaltet AP-Madrid Terminplanung, Patientenregistrierung und klinische Akten in den Gesundheitszentren der Region. In der stationären Versorgung nutzt das Krankenhausnetzwerk eine Kombination verschiedener Systeme.
CGM Selene wurde ursprünglich von Siemens Healthineers entwickelt, anschließend von Dedalus übernommen und später in das Portfolio von CompuGroup Medical aufgenommen. Es ist in mindestens 12 Krankenhäusern und 6 weiteren Gesundheitszentren der Region im Einsatz. Es verarbeitet über 11 Millionen Konsultationen pro Jahr und unterstützt ambulante, stationäre und Telekonsultations-Workflows. Parallel dazu nutzen Madrids fünf große Flaggschiff-Krankenhäuser, darunter das Hospital 12 de Octubre und das Hospital La Paz, HP-HCIS, das jetzt von DXC Technology gewartet wird, als alternatives klinisches Informationssystem. Das Feedback von Behandlern zu HP-HCIS war gemischt, mit dokumentierten Bedenken hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit. Laufende Bemühungen zur Verbesserung der Integration zwischen Plattformen der hausärztlichen und stationären Versorgung bleiben eine strategische Priorität für SERMAS.
Ein praktisches Beispiel für die Integration von Systemen für Patientenakten in Madrids Krankenhausumgebung stammt aus einem geschlossenen klinischen Entscheidungsunterstützungssystem, das in zwei Lehrkrankenhäusern der Region implementiert wurde. Klinische Entscheidungsunterstützung bezieht sich auf Tools, die in klinische Systeme eingebettet sind und Behandler auf Basis von Patientendaten zu Entscheidungen anleiten oder unterstützen. Direkt in das System für Patientenakten integriert, reduzierte dieses System unnötige präoperative Röntgenaufnahmen des Brustkorbs um 83 Prozent, EKG-Anordnungen um 54 Prozent und präoperative Bluttest-Anordnungssätze insgesamt um 29 Prozent. Es generierte über einen Zeitraum von 69 Monaten Kosteneinsparungen von über 1 Million Euro, ohne dass es zu mehr Operationsabsagen oder postoperativen Komplikationen kam.
Valencia: SIA und Orion Clinic
Die Valencianische Gemeinschaft nutzt das Sistema de Información Ambulatoria (SIA) für das Management der hausärztlichen Versorgung. Es deckt Terminplanung, Patientenakten und die Nachverfolgung chronischer Erkrankungen in den Gesundheitszentren ab. In Krankenhausumgebungen hat die Region Orion Clinic, jetzt Teil des InterSystems-Ökosystems, als klinische Informationsplattform übernommen. Die HealthShare- und TrakCare-Produkte von InterSystems, in die Orion Clinic integriert wurde, sind auf Interoperabilität und unternehmensweiten Datenaustausch ausgerichtet. Die valencianische Implementierung ist ein bemerkenswertes Beispiel für eine international entwickelte Plattform, die an einen regionalen spanischen Kontext angepasst wurde.
Weitere bemerkenswerte regionale Systeme
Mehrere andere autonome Gemeinschaften haben eigene Plattformen entwickelt oder beschafft:
Galicien (SERGAS): IANUS ist das einheitliche System für Patientenakten, das in 14 Krankenhäusern und über 400 Zentren der hausärztlichen Versorgung in der Region eingesetzt wird. Teilweise durch EU-Regionalpolitikfonds finanziert, unterstützt es den vollständigen Austausch von Patientenakten über alle Versorgungsebenen hinweg. Es wurde von der Europäischen Kommission als Modell für patientenzentrierte integrierte Versorgung genannt.
Baskenland: Osabide Global dient als integriertes klinisches Informationssystem für Osakidetza, den baskischen Gesundheitsdienst. Es deckt sowohl die hausärztliche als auch die Krankenhausversorgung ab.
Asturien (SESPA): Selene ist auch in asturischen Krankenhäusern im Einsatz, mit Interoperabilitätsverbindungen zu OMI-AP (verwendet in der hausärztlichen Versorgung) über eine gemeinsame Patientengesundheitszusammenfassung (Historia Resumida de Salud).
Murcia: Eine EU-Beschaffungsausschreibung von 2025 für Casemix-basierte Patientenmanagement-Software veranschaulicht, wie einzelne Regionen weiterhin spezialisierte Versorgungsmanagement-Tools neben ihrer Kerninfrastruktur für Patientenakten beschaffen.
Weit verbreitete kommerzielle und Drittanbieter-Plattformen
CGM Selene (ehemals Siemens Healthineers / Dedalus)
CGM Selene zählt zu den am weitesten verbreiteten kommerziellen Lösungen in spanischen öffentlichen Krankenhäusern. Die Funktionalität umfasst klinische Dokumentation, Auftragsverwaltung, Patientenverwaltung und – wie in Madrid demonstriert – Telekonsultation. Die Eigentümerhistorie der Plattform (Siemens Healthineers, dann Dedalus, dann CompuGroup Medical) ist ein relevanter Kontext für Beschaffungsteams, die die langfristige Anbieterstabilität und Supportkontinuität bewerten.
SAP für das Gesundheitswesen
SAP-Lösungen werden in größeren spanischen Gesundheitsnetzwerken hauptsächlich für Backoffice- und operative Funktionen eingesetzt: Finanzmanagement, Personalwesen, Lieferkette und Ressourcenplanung. SAP IS-H (Industry Solution for Healthcare) dient in mehreren spanischen Krankenhausgruppen als administratives Rückgrat und läuft parallel zu klinischen Systemen für Patientenakten. Seine Rolle ist typischerweise ergänzend und nicht als Ersatz für klinische Dokumentationsplattformen zu verstehen.
Oracle Health (ehemals Cerner)
Oracle Health ist in ausgewählten spanischen Krankenhausgruppen vertreten. Es positioniert sich als Unternehmensplattform für Patientenakten und Versorgungsmanagement für größere Einrichtungen. Die Übernahme von Cerner im Jahr 2022 und die anschließende Umbenennung haben bei einigen Bestandskunden Unsicherheit hinsichtlich der Roadmap und Support-Verpflichtungen ausgelöst. Diese Aspekte mussten Beschaffungsteams in Spanien bei Verlängerungs- und Migrationsentscheidungen berücksichtigen.
Microsoft Dynamics 365 und Azure in der Gesundheitsverwaltung
Microsofts Dynamics 365-Plattform und die Azure-basierte Cloud-Infrastruktur verzeichnen wachsende Akzeptanz sowohl in öffentlichen als auch in privaten spanischen Gesundheitseinrichtungen. Sie werden hauptsächlich für Versorgungskoordination, Patientenbindung, Verwaltungsmanagement und Datenanalyse eingesetzt. Azures Datenhaltung in der EU hat die Plattform im Kontext der Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und des Esquema Nacional de Seguridad (ENS) zunehmend attraktiv gemacht. Die DSGVO ist die Datenschutzverordnung der EU. ENS ist Spaniens nationales Sicherheitsrahmenwerk für Informationssysteme des öffentlichen Sektors.
Versorgungsmanagement im spanischen privaten Gesundheitssektor
Spaniens privater Krankenhaussektor, angeführt von Gruppen wie Quirónsalud (Teil von Fresenius Helios), HM Hospitales und Vithas, arbeitet mit einem anderen Beschaffungsmodell als das öffentliche System. Diese Organisationen setzen typischerweise internationale kommerzielle Plattformen ein oder entwickeln eigene Lösungen. Ihre Beschaffungszyklen sind schneller und weniger durch öffentliche Ausschreibungsverfahren eingeschränkt.
Quirónsalud hat öffentlich Investitionen in die digitale Infrastruktur seines Krankenhausnetzwerks angekündigt, wobei das Ausmaß der krankenhausübergreifenden Interoperabilität je nach Standort variiert. Die größere Offenheit des privaten Sektors für neue Technologien, darunter KI-gestützte Dokumentation, patientenorientierte digitale Tools und integrierte Versorgungskoordinationsplattformen, führt dazu, dass er neue Lösungen oft früher als seine öffentlichen Pendants einführt.
Patientenforschung zu eHealth-Erwartungen in Spanien, die im Rahmen der TIMELY-Studie durchgeführt wurde, ergab eine hohe Akzeptanz personalisierter, benutzerfreundlicher Plattformen mit Fernüberwachungsfunktionen bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit. Diese Erkenntnisse sind direkt relevant dafür, wie private Anbieter ihre digitalen Versorgungsmanagement-Angebote gestalten.
Hausärztliche Versorgung vs. stationäre Versorgung: unterschiedliche Plattformprioritäten
Die funktionalen Anforderungen der hausärztlichen und stationären Versorgung unterscheiden sich so stark, dass sie historisch zu separaten Plattformauswahlen auf jeder Ebene geführt haben.
Plattformen für die hausärztliche Versorgung in Spanien werden typischerweise erwartet, folgende Aufgaben zu übernehmen:
Terminplanung und Patientenregistrierung
Management chronischer Erkrankungen und Nachverfolgungsprotokolle
E-Verschreibung und Medikamentenmanagement
Patientenkommunikation und zunehmend Videosprechstunden
Bevölkerungsgesundheitsmanagement und präventive Versorgungsregister
Plattformen für die stationäre Versorgung priorisieren:
Stationäre klinische Dokumentation und Stationsmanagement
Auftragsverwaltung (Diagnostik, Medikamente, Überweisungen)
Erstellung von Entlassbriefen
Chirurgische Planung und perioperatives Management
Integration mit diagnostischen Bildgebungs- und Laborsystemen
Diese funktionale Trennung erklärt, warum Regionen wie Madrid unterschiedliche Systeme für die hausärztliche Versorgung (AP-Madrid) und die Krankenhausversorgung (Selene, HP-HCIS) betreiben. Sie ist auch der Grund, warum die Integration zwischen beiden Ebenen eine wiederkehrende Herausforderung und kein gelöstes Problem bleibt.
Interoperabilität und Integration: die anhaltende Herausforderung
Die strukturelle Fragmentierung der spanischen Versorgungsmanagement-Landschaft hat direkte operative Konsequenzen: Altsysteme, die nicht für die Kommunikation über Versorgungsebenen oder regionale Grenzen hinweg konzipiert wurden, sind im gesamten SNS weiterhin tief verankert. Ein Patient, der zwischen hausärztlicher Versorgung, einem regionalen Krankenhaus und einem Fachzentrum in einer anderen autonomen Gemeinschaft wechselt, kann auf mehrere nicht verbundene Aktensysteme stoßen.
Zwei Rahmenwerke bestimmen, wie diese Herausforderung angegangen wird:
SNS Nodo ist der nationale Interoperabilitätsknoten, der vom Gesundheitsministerium entwickelt wurde. Er unterstützt den regionsübergreifenden Austausch wichtiger klinischer Daten, einschließlich Patientenzusammenfassungen, E-Verschreibungen und Impfaufzeichnungen über alle autonomen Gemeinschaften hinweg. Er stellt den primären nationalen Mechanismus zur Überbrückung regionaler Systemsilos dar.
Der Europäische Gesundheitsdatenraum (EHDS), vorgeschlagen von der Europäischen Kommission und durch EU-Gesetzgebungsverfahren vorangetrieben, etabliert einen Rahmen für den sicheren grenzüberschreitenden Austausch von Gesundheitsdaten zwischen den EU-Mitgliedstaaten. Für spanische Gesundheitsorganisationen wird die EHDS-Konformität zunehmend die Beschaffungsanforderungen prägen, insbesondere in Bezug auf Datenstandards, Patienteneinwilligungsmechanismen und die Sekundärnutzung von Gesundheitsdaten.
Das GATEKEEPER-Projekt, eine europäische H2020-Initiative mit einem spanischen Implementierungsstandort, demonstriert ein Modell dafür, wie interoperable, standardbasierte eHealth-Rahmenwerke in heterogenen Gesundheitsumgebungen eingesetzt werden können. Es umfasst das Management chronischer Erkrankungen, integrierte Versorgungskoordination und KI-gestützte Überwachung. Seine Methodik bietet eine praktische Referenz für Organisationen, die interoperable Versorgungsmanagement-Architekturen entwerfen.
Der Fortschritt bei der Interoperabilität war uneinheitlich. SNS Nodo hat einen bedeutsamen regionsübergreifenden Datenaustausch für bestimmte Datentypen ermöglicht. Die vollständige Interoperabilität klinischer Akten über alle Versorgungsebenen und Regionen hinweg bleibt jedoch für den Großteil des spanischen Systems eher ein Ziel als bereits Realität.
Aufkommende Prioritäten, die die Plattformauswahl in Spanien prägen
Mehrere Kriterien beeinflussen zunehmend, wie spanische Gesundheitsorganisationen Versorgungsmanagement-Plattformen bewerten und auswählen:
DSGVO- und ENS-Konformität: Von Plattformen, die im spanischen öffentlichen Gesundheitssystem betrieben werden, wird erwartet, dass sie ENS-Zertifizierungsanforderungen neben DSGVO-Verpflichtungen erfüllen. Beschaffungsteams verlangen zunehmend von Anbietern, beides nachzuweisen.
Datenhaltung in der EU: Nach verstärkter Prüfung von Datenübertragungen in Nicht-EU-Rechtsräume spezifizieren viele spanische Gesundheitsorganisationen, insbesondere im öffentlichen Sektor, die Datenhaltung in der EU als vertragliche Anforderung. Dies hat Auswirkungen auf Cloud-basierte Plattformanbieter, die globale Infrastruktur betreiben.
KI-gestützte klinische Dokumentation: Das Interesse an Ambient Voice Technology, die Mikrofone nutzt, um klinische Gespräche in Echtzeit zu erfassen und zu transkribieren, sowie Transkription in Echtzeit für die Erstellung klinischer Notizen, wächst in spanischen Gesundheitseinrichtungen. Die automatisierte ICD-10-Code-Klassifizierung für spanische medizinische Berichte unter Einsatz von maschinellem Lernen war ein aktives Forschungsfeld. Dies spiegelt den breiteren Trend zu strukturierten, kodierbaren klinischen Daten wider. Die Einführung von SNOMED CT schreitet ebenfalls voran und ist Teil von Spaniens Ausrichtung auf europäische klinische Terminologiestandards.
Strukturierte Daten und klinische Kodierung: Plattformen, die die Erfassung strukturierter Daten unterstützen, anstatt nur Freitext-Dokumentation, werden zunehmend bevorzugt. Sie ermöglichen nachgelagerte Analysen, Bevölkerungsgesundheitsmanagement und KI-Modelltraining.
Cloud-native Architektur: Wie die Marktdaten zeigen, ist die Cloud-basierte Bereitstellung das am schnellsten wachsende Segment im spanischen Markt für Krankenhausinformationssysteme. Sie wird getrieben von Skalierbarkeitsanforderungen, Kostenmodellen und dem Bedarf an Fernzugriff.
Was Entscheidungsträger im Gesundheitswesen vor der Beschaffung bewerten sollten
Für Organisationen, die Versorgungsmanagement-Plattformen im spanischen Markt bewerten, sind die folgenden Kriterien durchgängig relevant:
Regionale regulatorische Konformität: Erfüllt die Plattform die ENS-Zertifizierungsanforderungen für die jeweilige autonome Gemeinschaft? Entspricht sie den spezifischen Datenverwaltungsanforderungen des regionalen Gesundheitsdienstes?
Interoperabilität mit bestehenden Systemen: Kann die Plattform Daten mit den Systemen der hausärztlichen oder stationären Versorgung der Region, SNS Nodo und – wo relevant – grenzüberschreitenden EU-Systemen unter EHDS-Anforderungen austauschen?
Datensicherheitszertifizierungen: Die ISO 27001-Zertifizierung (International Organisation for Standardisation Standard 27001) bietet einen Basisindikator für die Reife des Informationssicherheitsmanagements. ENS-Konformität ist speziell für Einsätze im öffentlichen Sektor in Spanien erforderlich.
Anbieter-Support auf Spanisch: Operativer Support, Dokumentation, Schulung und Implementierungsressourcen auf Spanisch sind für klinische Teams unerlässlich.
Skalierbarkeit über Versorgungsebenen hinweg: Kann die Plattform sowohl hausärztliche als auch stationäre Versorgungsfunktionen abdecken, oder sind ergänzende Systeme erforderlich? Wie hoch sind die Integrationskosten und die Komplexität?
KI-native Workflow-Bereitschaft: Unterstützt die Plattform Ambient Voice-Dokumentation, Transkription in Echtzeit, Integration klinischer Entscheidungsunterstützung und strukturierte Datenausgabe, oder gibt es eine glaubwürdige Roadmap dafür?
Anbieterstabilität und Roadmap: Angesichts der Eigentümerwechsel, die Plattformen wie Selene und Cerner/Oracle Health betreffen, ist die Bewertung der langfristigen kommerziellen Stabilität und Produkt-Roadmap eines Anbieters eine wesentliche Due-Diligence-Anforderung.
Navigation in einem fragmentierten, aber sich entwickelnden Markt
Spaniens Markt für Versorgungsmanagement-Plattformen ist regional vielfältig, von Altsystemen geprägt und befindet sich im Wandel. Keine einzige Plattform dominiert landesweit. Regionale Beschaffungsentscheidungen spiegeln Jahrzehnte unabhängiger Investitionen, politischer Prioritäten und technischer Entscheidungen wider, die sich nicht kurzfristig umkehren lassen. Gleichzeitig sorgt die Konvergenz von EU-Regulierungsrahmen (DSGVO, EHDS), nationalen Interoperabilitätsinitiativen (SNS Nodo) und dem Marktdruck durch Cloud-native und KI-gestützte Anbieter für echte Dynamik und Veränderungsbereitschaft.
Für Entscheidungsträger im Gesundheitswesen erfordert die Plattformbewertung in Spanien regionsspezifische Due Diligence, keine generische Unternehmenssoftware-Bewertung. Zu wissen, welche Systeme bereits in der Infrastruktur einer bestimmten Region verankert sind und welche Interoperabilitätsverpflichtungen bestehen, ist genauso wichtig wie die isolierte Bewertung der Funktionen einer neuen Plattform.
Häufig gestellte Fragen
▶ Warum hat Spanien so viele verschiedene Versorgungsmanagement-Plattformen statt eines nationalen Systems?
Spanien übertrug die Gesundheitsverantwortung schrittweise in den 1980er-Jahren auf seine 17 autonomen Gemeinschaften. Der Prozess wurde 2002 abgeschlossen. Der Gesundheitsdienst jeder Region trifft seine eigenen Beschaffungsentscheidungen, einschließlich der Auswahl von Systemen für Patientenakten und Patientenverwaltungsplattformen. Das bedeutet, dass eine Plattform, die in einer Region tief verankert ist, in einer anderen möglicherweise überhaupt nicht vertreten ist. Keine einzige Plattform dominiert auf nationaler Ebene.
▶ Welche Systeme für Patientenakten werden in Spaniens wichtigsten öffentlichen Gesundheitsregionen verwendet?
Andalusien nutzt Diraya, eine integrierte Plattform, die sowohl die hausärztliche als auch die stationäre Versorgung abdeckt. Katalonien betreibt die Historia Clínica Compartida de Catalunya, eine föderierte gemeinsame klinische Akte. Der öffentliche Gesundheitsdienst Madrids betreibt AP-Madrid für die hausärztliche Versorgung und nutzt CGM Selene und HP-HCIS (jetzt von DXC Technology gewartet) in seinem Krankenhausnetzwerk. Valencia nutzt das Sistema de Información Ambulatoria für die hausärztliche Versorgung und Orion Clinic in Krankenhausumgebungen. Galicien nutzt IANUS, und das Baskenland setzt auf Osabide Global.
▶ Was ist der Unterschied zwischen den Plattformanforderungen für die hausärztliche und stationäre Versorgung in Spanien?
Plattformen für die hausärztliche Versorgung in Spanien werden typischerweise für Terminplanung, Patientenregistrierung, Management chronischer Erkrankungen, E-Verschreibung und Videosprechstunden eingesetzt. Plattformen für die stationäre Versorgung priorisieren stationäre klinische Dokumentation, Auftragsverwaltung für Diagnostik und Medikamente, Erstellung von Entlassbriefen, chirurgische Planung sowie die Integration mit Bildgebungs- und Laborsystemen. Diese unterschiedlichen Anforderungen erklären, warum Regionen wie Madrid separate Systeme für jede Versorgungsebene betreiben und warum die Integration zwischen beiden eine wiederkehrende Herausforderung bleibt.
▶ Wie wird die Interoperabilität zwischen Spaniens regionalen Gesundheitssystemen angegangen?
Zwei Rahmenwerke bestimmen den Fortschritt: SNS Nodo ist der nationale Interoperabilitätsknoten, der vom spanischen Gesundheitsministerium entwickelt wurde. Er unterstützt den regionsübergreifenden Austausch von Patientenzusammenfassungen, E-Verschreibungen und Impfaufzeichnungen. Der Europäische Gesundheitsdatenraum, der durch EU-Gesetzgebungsverfahren vorangetrieben wird, etabliert einen Rahmen für den sicheren grenzüberschreitenden Austausch von Gesundheitsdaten zwischen den EU-Mitgliedstaaten. Der Fortschritt war uneinheitlich: SNS Nodo hat einen bedeutsamen Datenaustausch für bestimmte Datentypen ermöglicht, aber die vollständige Interoperabilität klinischer Akten über alle Versorgungsebenen und Regionen hinweg bleibt eher ein Ziel als bereits Realität.
▶ Welche Rolle spielen kommerzielle Plattformen wie CGM Selene und Oracle Health in Spaniens öffentlichen Krankenhäusern?
CGM Selene, das im Laufe der Zeit von Siemens Healthineers über Dedalus zu CompuGroup Medical wechselte, ist in mindestens 12 Krankenhäusern in Madrid im Einsatz und verarbeitet über 11 Millionen Konsultationen pro Jahr. Oracle Health, ehemals Cerner, ist in ausgewählten spanischen Krankenhausgruppen als Unternehmensplattform für Patientenakten und Versorgungsmanagement vertreten. Die Übernahme durch Oracle im Jahr 2022 und die anschließende Umbenennung haben bei einigen Bestandskunden Unsicherheit hinsichtlich der Produkt-Roadmap und Support-Verpflichtungen ausgelöst.
▶ Wie geht Spaniens privater Gesundheitssektor an die Beschaffung von Versorgungsmanagement-Plattformen heran?
Private Krankenhausgruppen wie Quirónsalud, HM Hospitales und Vithas arbeiten mit einem anderen Beschaffungsmodell als das öffentliche System. Sie setzen meist internationale kommerzielle Plattformen ein oder entwickeln eigene Lösungen. Ihre Beschaffungszyklen sind schneller und weniger durch öffentliche Ausschreibungsverfahren eingeschränkt. Die größere Offenheit des privaten Sektors für neue Technologien, darunter KI-gestützte Dokumentation und integrierte Versorgungskoordinationsplattformen, führt dazu, dass er neue Tools oft früher als öffentliche Einrichtungen einführt.
▶ Welche Konformitätsanforderungen sollten Anbieter erfüllen, um im spanischen öffentlichen Gesundheitssystem tätig zu sein?
Von Plattformen, die im spanischen öffentlichen Gesundheitssystem betrieben werden, wird erwartet, dass sie das Esquema Nacional de Seguridad, Spaniens nationales Sicherheitsrahmenwerk für Informationssysteme des öffentlichen Sektors, neben den Verpflichtungen der DSGVO erfüllen. Die ISO 27001-Zertifizierung, der Standard der International Organisation for Standardisation für Informationssicherheitsmanagement, bietet einen Basisindikator für Sicherheitsreife. Viele Organisationen des öffentlichen Sektors verlangen zudem die Datenhaltung in der EU als vertragliche Anforderung, insbesondere nach verstärkter Prüfung von Datenübertragungen in Nicht-EU-Länder.
▶ Welche aufkommenden Technologien beeinflussen die Plattformauswahl im spanischen Gesundheitsmarkt?
Das Interesse an Ambient Voice Technology, die Mikrofone nutzt, um klinische Gespräche in Echtzeit zu erfassen und zu transkribieren, sowie Transkription in Echtzeit für die Erstellung klinischer Notizen, wächst in spanischen Gesundheitseinrichtungen. Die automatisierte klinische Kodierung mithilfe von maschinellem Lernen war ein aktives Forschungsfeld. Dies spiegelt einen breiteren Trend zu strukturierten, kodierbaren klinischen Daten wider. Cloud-native Architektur ist das am schnellsten wachsende Bereitstellungssegment im spanischen Markt für Krankenhausinformationssysteme, getrieben durch Skalierbarkeitsanforderungen und den Bedarf an Fernzugriff.
▶ Was sollten Entscheidungsträger im Gesundheitswesen bei der Beschaffung einer Versorgungsmanagement-Plattform in Spanien bewerten?
Beschaffungsteams sollten prüfen, ob eine Plattform die Anforderungen des Esquema Nacional de Seguridad für die jeweilige autonome Gemeinschaft erfüllt und ob sie Daten mit bestehenden regionalen Systemen, SNS Nodo und grenzüberschreitenden EU-Systemen im Rahmen des Europäischen Gesundheitsdatenraums austauschen kann. Anbieterstabilität ist entscheidend: Eigentümerwechsel, wie sie bei Plattformen wie Selene und Cerner/Oracle Health vorkamen, zeigen, warum die Bewertung der langfristigen kommerziellen Stabilität und Produkt-Roadmap eine wesentliche Due-Diligence-Anforderung ist. Operativer Support, Dokumentation und Schulung auf Spanisch sind ebenfalls eine praktische Notwendigkeit für klinische Teams.