·

Klinische Dokumentation

Klinische Dokumentation

Primärversorgung

Primärversorgung

Gesundheits-IT / CIO

Gesundheits-IT / CIO

Die meistgenutzten Praxisverwaltungssysteme für niederländische Hausärzte

Entdecken Sie die führenden HIS-Systeme in der niederländischen Hausarztpraxis: Promedico, Medicom, MicroHIS und CGM Huisarts. Erfahren Sie, was Hausärzte von ihrer Praxissoftware erwarten

Die niederländische hausärztliche Versorgung basiert auf einem ausgeprägten Gatekeeping-Prinzip. Hausärzte, in den Niederlanden als huisartsen bekannt, sind die erste Anlaufstelle für nahezu alle nicht-notfallmedizinischen Gesundheitsleistungen. Fast jeder Patientenweg durch das niederländische System beginnt und endet mit den Aufzeichnungen eines Hausarztes. Diese Rolle wird durch eine Softwarekategorie unterstützt, die außerhalb der Niederlande weitgehend unbekannt, innerhalb des Landes jedoch unverzichtbar ist: das Huisartsen Informatie Systeem (HIS). Die Niederlande sind seit Langem ein ausgereifter Markt für Technologien zur klinischen Dokumentation. Häufig zitierte Schätzungen gehen davon aus, dass die Adoptionsrate unter niederländischen Hausärzten bereits 2019 bei 99 Prozent lag. Zu verstehen, welche Systeme dominieren, was sie leisten und wie sich die Landschaft entwickelt, ist für alle relevant, die in oder mit der niederländischen hausärztlichen Versorgung arbeiten.

Was ist ein HIS (Huisartsen Informatie Systeem)?

Ein HIS ist die niederländische Bezeichnung für ein Praxisverwaltungssystem für Hausärzte. Während der allgemeinere Begriff EPD (Elektronisch Patiëntendossier, elektronische Patientenakte) für klinische Dokumentationssysteme in allen Versorgungsbereichen gilt, ist das HIS speziell auf die Abläufe einer Hausarztpraxis zugeschnitten. Laut der niederländischen IKT-Beratung für die hausärztliche Versorgung Roset Twente fungiert ein HIS als zentrales IKT-System in einer huisartsenpraktijk und übernimmt folgende Aufgaben:

  • Erfassung und Speicherung klinischer Notizen aus Konsultationen

  • Terminplanung und Patientenkommunikation

  • Wiederholungsrezepte und elektronische Verschreibung

  • Erstellung von Arztbriefen, Überweisungen und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen

  • ICPC-2-Diagnosekodierung (International Classification of Primary Care, zweite Ausgabe, das standardmäßige Diagnosekodierungssystem in niederländischen Hausarztpraxen)

  • Abrechnung und administrative Verarbeitung

  • Anbindung an die nationale Datenaustauschinfrastruktur

Damit unterscheidet sich ein HIS von Krankenhaus-EPD-Systemen, die auf stationäre Versorgung, Visiten, Entlassbriefe und spezialisierte Abläufe ausgerichtet sind. Das HIS ist auf die hohe Frequenz und episodische Natur hausärztlicher Konsultationen optimiert – oft Dutzende pro Tag – sowie auf die Rolle des Hausarztes als Koordinator des gesamten Versorgungswegs eines Patienten.

Ein zentrales Merkmal jedes konformen HIS ist seine Anbindung an das LSP (Landelijk Schakelpunt), das nationale Gesundheitsdatenaustausch-Netzwerk, das von VZVZ betrieben wird. Das LSP ermöglicht autorisierten Behandlern in verschiedenen Versorgungsbereichen, darunter Apotheken, hausärztliche Notdienste und Krankenhausspezialisten, mit Zustimmung des Patienten Zugriff auf relevante Patientendaten. Jedes in den Niederlanden eingesetzte HIS muss diese Konnektivität unterstützen, um innerhalb der nationalen Infrastruktur funktionieren zu können.

Die am häufigsten verwendeten HIS-Systeme in den Niederlanden

Der niederländische Hausarzt-HIS-Markt ist weitgehend konsolidiert, aber dennoch diversifiziert. Vier Systeme decken etwa 90 Prozent aller Hausarztpraxen ab. Diese Konsolidierung spiegelt sich in der Struktur von NedHIS wider, der Dachorganisation für HIS-Nutzerverbände, die vier Hauptnutzergruppen zusammenbringt: Sanday (vertritt Promedico-Nutzer), CGM HUISARTS, Orego (vertritt MicroHIS-Nutzer) und VeGOM (vertritt Medicom-Nutzer). NedHIS vertritt die Interessen dieser Gruppen im Dialog mit Anbietern, Normungsgremien und nationalen Gesundheitsbehörden.

Derzeit sind neun HIS-Systeme auf dem niederländischen Markt aktiv: CGM Huisarts, CitoLive, Medicom, MicroHIS X, OmniHIS Scipio, Promedico ASP, Promedico VDF, TetraHIS und WebHIS Zorgdossier. Der Markt konsolidiert sich weiter, aber regionale Unterschiede und praxisspezifische Präferenzen sorgen dafür, dass auch kleinere Systeme präsent bleiben.

Promedico (VIPLive)

Promedico ist eine der drei am weitesten verbreiteten HIS-Plattformen in den Niederlanden. Innerhalb von NedHIS wird das System durch die Nutzergruppe Sanday vertreten. Es ist in zwei Varianten verfügbar, Promedico ASP und Promedico VDF, und richtet sich an Hausarztpraxen unterschiedlicher Größe.

Aktuelle Marktberichte identifizieren Promedico als eines der drei führenden Hausarztsysteme neben MicroHIS und Medicom. Die Plattform unterstützt das gesamte Spektrum hausärztlicher Abläufe, einschließlich ICPC-2-Kodierung, LSP-Konnektivität, elektronischer Verschreibung und Erstellung von Überweisungen.

Medicom (PharmaPartners)

Medicom wird von PharmaPartners entwickelt und ist besonders verbreitet bei größeren Hausarztpraxen und hausärztlichen Notdiensten (huisartsenposten). Das Design ist auf Umgebungen mit hohem Patientenaufkommen zugeschnitten und bietet robuste Unterstützung für strukturierte klinische Notizen, klinische Kodierung sowie – aufgrund des Hintergrunds von PharmaPartners – Apothekenanbindung und Medikamentenmanagement. Medicom erhielt im Juni 2024 die XIS-Keurmerk-Zertifizierung, die die Einhaltung der niederländischen Qualitätsstandards für HIS-Systeme bestätigt. Innerhalb von NedHIS werden Medicom-Nutzer durch die Nutzergruppe VeGOM vertreten.

MicroHIS (iSOFT / Dedalus / TSS Group)

MicroHIS, inzwischen als MicroHIS X vermarktet, ist eines der am längsten etablierten Systeme auf dem niederländischen Hausarztmarkt. Es verfügt über eine treue Nutzerbasis, insbesondere unter kleineren und unabhängigen Praxen. Sein Ruf gründet sich auf Zuverlässigkeit und Stabilität. NedHIS vertritt seine Nutzer durch die Nutzergruppe Orego.

MicroHIS X erhielt im November 2024 die XIS-Keurmerk-Zertifizierung. Das System wird von iSOFT/Dedalus/TSS Group entwickelt.

CGM Huisarts (CompuGroup Medical)

CGM Huisarts wird von CompuGroup Medical (CGM) entwickelt, einem großen europäischen Anbieter von Gesundheits-IT mit Niederlassungen in mehreren Ländern. Das System erhielt im Dezember 2024 die XIS-Keurmerk-Zertifizierung und wird in NedHIS durch die Nutzergruppe CGM HUISARTS vertreten. Die breite europäische Präsenz von CGM fördert die kontinuierliche Weiterentwicklung. Das System deckt das Standardspektrum niederländischer hausärztlicher Abläufe ab.

Weitere verwendete Systeme

Neben den vier dominierenden Plattformen hat auch ChipSofts HiX, das hauptsächlich als Krankenhaus-EPD bekannt ist, die XIS-Keurmerk-Zertifizierung für die hausärztliche Versorgung erhalten. Dies spiegelt ChipSofts Expansion über Krankenhausumgebungen hinaus in die hausärztliche Versorgung auf dem niederländischen Gesundheits-IT-Markt wider. OmniHIS Scipio, TetraHIS, CitoLive und WebHIS Zorgdossier bleiben mit kleineren Nutzergruppen auf dem Markt aktiv. Die allgemeine Entwicklung geht in Richtung Konsolidierung, wobei das Tempo je nach Region und Praxistyp variiert.

Welche Funktionen niederländische Hausärzte von einem HIS erwarten

Die funktionalen Anforderungen an ein HIS im niederländischen Kontext werden sowohl durch klinische Bedürfnisse als auch durch regulatorische Vorgaben bestimmt. Praxen, die Systeme evaluieren – sei es für die Erstauswahl oder eine mögliche Migration –, bewerten typischerweise folgende Funktionen:

  • ICPC-2-Kodierungsunterstützung: ICPC-2 ist das standardmäßige Diagnosekodierungssystem für niederländische Hausarztpraxen. Jedes HIS muss eine präzise ICPC-2-Kodierung als Kernfunktion unterstützen, sowohl für die klinische Dokumentation als auch für die Datenberichterstattung.

  • LSP-Konnektivität: Die Integration in das nationale Gesundheitsdatenaustausch-Netzwerk ist eine grundlegende Anforderung. Ohne sie kann eine Praxis nicht an der nationalen Infrastruktur für gemeinsame Medikationsübersichten, Notdienstzugriff und einrichtungsübergreifenden Datenaustausch teilnehmen.

  • Elektronische Verschreibung: Die elektronische Erstellung von Rezepten, einschließlich Wiederholungsrezepten und Anbindung an Apothekensysteme, ist eine Standarderwartung.

  • Erstellung von Überweisungen und Arztbriefen: Hausärzte erstellen große Mengen an Überweisungsbriefen und Patientenkorrespondenz. HIS-Systeme müssen die vorlagenbasierte, strukturierte Erstellung dieser Dokumente unterstützen.

  • Erstellung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen: Die Ausstellung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (arbeidsongeschiktheidsverklaringen) ist eine routinemäßige hausärztliche Aufgabe, die in den HIS-Arbeitsablauf integriert sein sollte.

  • AVG/DSGVO-Konformität: Niederländische Praxen unterliegen der Algemene Verordening Gegevensbescherming (AVG), der niederländischen Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). HIS-Systeme müssen Patientendaten in Übereinstimmung mit diesen Anforderungen verarbeiten, einschließlich angemessener Einwilligungsverwaltung und Protokollierung des Datenzugriffs.

  • Termin- und Praxismanagement: Terminplanung, Patientenregistrierung und administrative Funktionen sind typischerweise im HIS gebündelt und werden nicht über separate Systeme verwaltet.

Die Komplexität dieser Anforderungen – insbesondere die LSP-Integration und ICPC-2-Kodierung – schafft eine hohe Einstiegshürde für neue Anbieter. Sie macht den Systemwechsel zu einem erheblichen Unterfangen für jede Praxis.

Wie die niederländische nationale Infrastruktur die HIS-Anforderungen prägt

Der HIS-Markt agiert nicht isoliert. Nationale Standards und Infrastrukturanforderungen prägen ihn maßgeblich. Jeder Anbieter muss diese erfüllen, um in den Niederlanden bestehen zu können.

Das XIS Keurmerk ist das offizielle Qualitätszertifizierungssystem für HIS-Systeme, das vom Nederlands Huisartsen Genootschap (NHG) und LEGIO verwaltet wird. Das HIS-normenkader 2025, der Standardrahmen, legt Anforderungen in den Bereichen Datenaustausch, Patientensicherheit, Interoperabilität und funktionale Vollständigkeit fest. Die Zertifizierung ist nicht nur ein Qualitätsmerkmal, sondern signalisiert Praxen und Beschaffungsstellen, dass ein System die Mindeststandards für einen sicheren und konformen Betrieb im niederländischen Kontext erfüllt.

Nictiz, das nationale Kompetenzzentrum für digitale Gesundheit in den Niederlanden, definiert die technischen Standards und Informationsmodelle, die HIS-Systeme implementieren müssen. Dazu gehören die Verwendung standardisierter klinischer Informationsmodelle (zorginformatiebouwstenen oder ZIBs) und die Unterstützung nationaler Austauschformate. Die Arbeit von Nictiz stellt sicher, dass in einem HIS erzeugte Daten von anderen Systemen entlang der Versorgungskette verstanden und genutzt werden können.

NEN, die niederländische Normungsorganisation, trägt zum normativen Rahmen bei, innerhalb dessen HIS-Systeme operieren, insbesondere in Bezug auf Datensicherheits- und Informationsmanagementstandards.

Zusammen schaffen diese Organisationen ein regulatorisches und technisches Umfeld, das etablierte, zertifizierte Anbieter begünstigt. Es erschwert neuen Marktteilnehmern, ohne erhebliche Investitionen in die Compliance Fuß zu fassen. Das ist ein Grund, warum der Markt trotz der Präsenz von neun aktiven Systemen auf wenige Plattformen konzentriert bleibt.

Der Dokumentationsaufwand niederländischer Hausärzte

Niederländische Hausärzte stehen einem Dokumentationsaufwand gegenüber, der innerhalb der Berufsgruppe gut bekannt ist. Hohe Patientenzahlen, komplexe administrative Anforderungen und die Notwendigkeit, präzise strukturierte Aufzeichnungen über mehrere Systeme hinweg zu führen, sorgen für erheblichen Zeitdruck.

Eine im Journal of Medical Internet Research veröffentlichte Studie ergab, dass nach der Einführung des webbasierten Patientenzugriffs auf Krankenakten über 63 Prozent der niederländischen Praxen einen Anstieg der damit verbundenen administrativen Tätigkeiten sowie einen Anstieg der E-Konsultationen meldeten. Frühe Anwender berichteten tendenziell von insgesamt positiveren Erfahrungen, aber die Erkenntnis verdeutlicht, wie die Einführung neuer Zugriffssysteme die administrative Last für das Praxispersonal erhöhen kann.

Die Sekundärnutzung von hausärztlichen Daten aus Praxisverwaltungssystemen für Epidemiologie, Krankheitsüberwachung und Versorgungsforschung unterstreicht zusätzlich das Volumen und die Komplexität der Informationen, die durch HIS-Systeme fließen. Die Nivel Primary Care Database, die Daten aus niederländischen hausärztlichen Praxisverwaltungssystemen aggregiert, wird für nationale Krankheitsüberwachung und Gesundheitspolitik genutzt. Sie spiegelt die zentrale Rolle wider, die HIS-Daten über die einzelne Konsultation hinaus spielen.

Eine Untersuchung, die strukturierte Codes versus Freitext-klinische Notizen in einer großen niederländischen hausärztlichen Datenbank mit 1,8 Millionen Patienten verglich, ergab, dass nur 13 Prozent der aus Freitext-Notizen extrahierten Konzepte ähnliche strukturierte Gegenstücke hatten und 42 Prozent der strukturierten Konzepte Entsprechungen im Freitext aufwiesen. Diese Komplementarität zwischen strukturierten und unstrukturierten Daten hat Auswirkungen darauf, wie HIS-Systeme gestaltet werden und wie klinische Informationen erfasst werden. Weder Kodierung allein noch narrative Notizen allein erfassen das vollständige klinische Bild.

Der Dokumentationsaufwand ist nicht in allen Praxistypen gleich. Größere Praxen und huisartsenposten verfügen möglicherweise über dedizierte administrative Unterstützung, während kleinere unabhängige Praxen oft auf den Hausarzt oder eine Praxisassistenz angewiesen sind, um den gesamten Dokumentationsworkflow zu bewältigen. Die Auswirkungen der administrativen Last variieren erheblich je nach Praxisgröße und Personalausstattung.

Wie KI und Ambient Voice Technology in die niederländische HIS-Landschaft eintreten

Vor dem Hintergrund hoher Dokumentationsanforderungen und einer ausgereiften Infrastruktur für Praxisverwaltungssysteme beginnen KI-gestützte Tools, in die niederländische hausärztliche Versorgungslandschaft einzuziehen. Sie ersetzen die HIS-Systeme nicht, sondern ergänzen sie und binden sich an diese an.

Ambient Voice Technology (AVT), eine Kategorie von Tools, die einer Konsultation zuhören und einen Entwurf einer klinischen Notiz erstellen, kann auch relevante klinische Codes vorschlagen. Dies reduziert die Zeit, die ein Hausarzt für die Dokumentation nach der Konsultation aufwendet. Diese Tools arbeiten typischerweise neben dem HIS und nicht innerhalb davon. Sie übergeben strukturierte oder halbstrukturierte Ausgaben an das bestehende Dokumentationssystem. Der praktische Nutzen hängt stark davon ab, wie gut die KI-generierte Ausgabe mit dem Datenmodell und den Kodierungsanforderungen des HIS integriert ist, einschließlich ICPC-2-Unterstützung und der strukturierten Felder, die niederländische Hausarztakten erfordern.

Der regulatorische Kontext für solche Tools in den Niederlanden ist bedeutsam. KI-Tools, die die klinische Entscheidungsfindung beeinflussen, können in den Anwendungsbereich der EU-Medizinprodukteverordnung (EU-MDR) fallen. Sie erfordern eine Konformitätsbewertung und CE-Kennzeichnung vor dem Einsatz in der klinischen Praxis. DSGVO- und AVG-Anforderungen gelten für jede Verarbeitung von Patientendaten, einschließlich Audioaufnahmen von Konsultationen. Datenhaltung, insbesondere wenn Konsultationsaudio und abgeleitete klinische Notizen verarbeitet und gespeichert werden, ist ein praktisches Anliegen für niederländische Praxen, die KI-Tools evaluieren – angesichts der Sensibilität von Gesundheitsdaten und der Anforderungen des niederländischen Datenschutzrechts.

Eine Untersuchung zur Ethik der Verwendung von Daten aus Praxisverwaltungssystemen für die KI-Entwicklung im niederländischen Kontext identifiziert vier Hauptthemen, die für jede KI-Integration in der hausärztlichen Versorgung relevant sind: Datenschutz, Transparenz und Einwilligung, öffentliches Vertrauen und regulatorische Herausforderungen, faire Repräsentation und Modellgeneralisierbarkeit sowie verantwortungsvolle KI-Integration in der klinischen Praxis. Die Forschung stellt fest, dass technische Lösungen oder Top-down-Regulierung allein nicht ausreichen. Stakeholder-geführte und kontextsensitive Ansätze sind erforderlich. Diese Erkenntnis gilt gleichermaßen für den Einsatz von KI-Tools in Hausarztpraxen wie für deren Entwicklung.

Nach Kenntnis der Autoren bleiben veröffentlichte Belege über reale Auswirkungen im niederländischen HIS-Kontext begrenzt. Die Integrationskomplexität ist erheblich: Die Anbindung eines KI-Tools an ein zertifiziertes HIS unter Beibehaltung der Compliance mit XIS-Keurmerk-Standards, LSP-Konnektivität und DSGVO-Anforderungen ist anspruchsvoll. Praxen sollten Anbieteraussagen sorgfältig gegen die spezifischen Anforderungen ihrer HIS-Umgebung prüfen.

Wichtige Überlegungen bei der Evaluierung eines HIS für eine niederländische Hausarztpraxis

Für Praxismanager und Behandler, die HIS-Optionen bewerten – sei es bei der Auswahl eines Systems für eine neue Praxis, bei der Erwägung einer Migration oder bei der Evaluierung von KI-Zusatztools –, sind folgende Faktoren durchgängig relevant:

  • XIS-Keurmerk-Zertifizierung: Die Zertifizierung nach dem aktuellen HIS-normenkader ist ein grundlegender Indikator für die Einhaltung niederländischer Qualitäts- und Sicherheitsstandards. Praxen sollten überprüfen, dass jedes in Betracht gezogene System über eine aktuelle Zertifizierung verfügt.

  • ICPC-2-Unterstützung: Die Tiefe und Benutzerfreundlichkeit der ICPC-2-Kodierungsfunktionalität variiert zwischen den Systemen. Praxen mit hohen Kodierungsanforderungen, beispielsweise solche, die Daten an Forschungsnetzwerke liefern, sollten dies sorgfältig bewerten.

  • LSP-Konnektivität: Eine bestätigte, getestete Integration mit dem LSP ist für Praxen, die innerhalb der niederländischen Versorgungskette arbeiten, unverzichtbar. Dies umfasst die Unterstützung für die Medikationsübersicht (medicatieoverzicht) und Notdienstzugriffsfunktionen.

  • Migrationskomplexität: Der Wechsel von HIS-Systemen beinhaltet die Migration jahrelanger strukturierter Patientendaten, die Neukonfiguration von Integrationen und die Schulung des Personals. Niederländische Forschung zur Adoption von Praxisverwaltungssystemen identifiziert durchgängig technische Barrieren und finanzielle Einschränkungen als erhebliche Hindernisse für einen Systemwechsel. Praxen sollten detaillierte Migrationsunterstützungszusagen von Anbietern einholen, bevor sie sich zu einem Wechsel verpflichten.

  • Qualität des Anbieter-Supports: Angesichts der zentralen Bedeutung des HIS für den täglichen Praxisbetrieb ist die Qualität, Reaktionsfähigkeit und Verfügbarkeit des Anbieter-Supports eine praktische Priorität, insbesondere für kleinere Praxen ohne eigene IT-Unterstützung.

  • Preismodelle: HIS-Preisstrukturen variieren zwischen abonnementbasierten und nutzerbasierten Modellen. Praxen sollten die Gesamtbetriebskosten bewerten, einschließlich Implementierungs-, Schulungs- und laufender Supportkosten, anstatt nur die Lizenzgebühren zu betrachten.

  • Bereitschaft für KI-gestützte Dokumentation: Praxen, die an Ambient Voice Technology oder KI-gestützter Kodierung interessiert sind, sollten prüfen, ob ihr HIS-Anbieter die Integration mit solchen Tools anbietet oder unterstützt und welche Datenverarbeitungsvereinbarungen unter der DSGVO gelten.

  • NedHIS-Nutzergruppenmitgliedschaft: Die Mitgliedschaft in der relevanten NedHIS-Nutzergruppe bietet Zugang zu kollektiver Interessenvertretung, Peer-Wissensaustausch und Einfluss auf die Entwicklungs-Roadmaps der Anbieter – ein praktischer Vorteil, der bei Beschaffungsentscheidungen oft unterschätzt wird.

Der niederländische HIS-Markt ist ausgereift, zertifiziert und tief in die nationale Infrastruktur eingebettet. Diese Reife bringt Stabilität und Interoperabilität mit sich, bedeutet aber auch, dass Veränderungen – sei es ein Systemwechsel oder das Hinzufügen neuer Tools – eine sorgfältige Planung und ein klares Verständnis des regulatorischen und technischen Umfelds erfordern, in dem niederländische Hausarztpraxen agieren.

Häufig gestellte Fragen

▶ Was ist ein Huisartsen Informatie Systeem (HIS)?

Ein Huisartsen Informatie Systeem oder HIS ist ein Praxisverwaltungssystem, das speziell für niederländische Hausarztpraxen entwickelt wurde. Es verwaltet klinische Notizen, Terminplanung, elektronische Verschreibung, Erstellung von Überweisungen und Arztbriefen, Ausstellung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, ICPC-2-Diagnosekodierung (International Classification of Primary Care, zweite Ausgabe), Abrechnung und die Anbindung an das nationale Gesundheitsdatenaustausch-Netzwerk, das LSP (Landelijk Schakelpunt). Es unterscheidet sich von Krankenhaus-Praxisverwaltungssystemen, die auf stationäre Versorgung und spezialisierte Abläufe ausgerichtet sind. Das HIS ist auf die hohe Frequenz und episodische Natur hausärztlicher Konsultationen optimiert.

▶ Welche HIS-Systeme werden von niederländischen Hausärzten am häufigsten verwendet?

Vier Systeme decken etwa 90 Prozent der niederländischen Hausarztpraxen ab: Promedico (verfügbar als Promedico ASP und Promedico VDF), Medicom (entwickelt von PharmaPartners), MicroHIS X (entwickelt unter dem Dach von iSOFT/Dedalus/TSS Group) und CGM Huisarts (entwickelt von CompuGroup Medical). Insgesamt sind derzeit neun HIS-Systeme auf dem niederländischen Markt aktiv, darunter OmniHIS Scipio, TetraHIS, CitoLive und WebHIS Zorgdossier, die jedoch kleinere Nutzergruppen haben. Die allgemeine Marktrichtung geht in Richtung Konsolidierung.

▶ Was ist die XIS-Keurmerk-Zertifizierung und warum ist sie wichtig?

XIS Keurmerk ist das offizielle Qualitätszertifizierungssystem für HIS-Systeme in den Niederlanden, das vom Nederlands Huisartsen Genootschap (NHG) und LEGIO verwaltet wird. Das HIS-normenkader 2025, der dem System zugrunde liegende Standardrahmen, legt Anforderungen in den Bereichen Datenaustausch, Patientensicherheit, Interoperabilität und funktionale Vollständigkeit fest. Die Zertifizierung signalisiert Praxen und Beschaffungsstellen, dass ein System die Mindeststandards für einen sicheren und konformen Betrieb im niederländischen Kontext erfüllt. Medicom erhielt die XIS-Keurmerk-Zertifizierung im Juni 2024, MicroHIS X im November 2024 und CGM Huisarts im Dezember 2024.

▶ Was ist das LSP und warum muss ein HIS damit verbunden sein?

Das LSP (Landelijk Schakelpunt) ist das nationale Gesundheitsdatenaustausch-Netzwerk in den Niederlanden, das von VZVZ betrieben wird. Es ermöglicht autorisierten Behandlern in verschiedenen Versorgungsbereichen, darunter Apotheken, hausärztliche Notdienste und Krankenhausspezialisten, mit Zustimmung des Patienten Zugriff auf relevante Patientendaten. Jedes in den Niederlanden eingesetzte HIS muss LSP-Konnektivität unterstützen, um innerhalb der nationalen Infrastruktur funktionieren zu können. Ohne sie kann eine Praxis nicht an gemeinsamen Medikationsübersichten, Notdienstzugriff oder einrichtungsübergreifendem Datenaustausch teilnehmen.

▶ Welchem Dokumentationsaufwand sehen sich niederländische Hausärzte gegenüber?

Niederländische Hausärzte stehen erheblichem Dokumentationsdruck durch hohe Patientenzahlen, komplexe administrative Anforderungen und die Notwendigkeit gegenüber, präzise strukturierte Aufzeichnungen über mehrere Systeme hinweg zu führen. Eine im Journal of Medical Internet Research veröffentlichte Studie ergab, dass nach der Einführung des webbasierten Patientenzugriffs auf Krankenakten über 63 Prozent der niederländischen Praxen einen Anstieg der damit verbundenen administrativen Tätigkeiten meldeten. Eine Studie mit 1,8 Millionen Patienten in einer großen niederländischen hausärztlichen Datenbank ergab, dass nur 13 Prozent der aus Freitext-klinischen Notizen extrahierten Konzepte ähnliche strukturierte Gegenstücke hatten, was verdeutlicht, dass weder Kodierung allein noch narrative Notizen allein das vollständige klinische Bild erfassen. Der Dokumentationsaufwand variiert auch nach Praxisgröße, wobei kleinere unabhängige Praxen oft den gesamten Workflow ohne dedizierte administrative Unterstützung bewältigen.

▶ Wie tritt Ambient Voice Technology in die niederländische HIS-Landschaft ein?

Ambient Voice Technology (AVT), eine Kategorie von Tools, die einer Konsultation zuhören und einen Entwurf einer klinischen Notiz erstellen, beginnt in der niederländischen hausärztlichen Versorgung als Ergänzung zu bestehenden HIS-Systemen und nicht als deren Ersatz eingesetzt zu werden. Diese Tools übergeben typischerweise strukturierte oder halbstrukturierte Ausgaben an das bestehende Praxisverwaltungssystem. Ihr praktischer Nutzen hängt davon ab, wie gut die KI-generierte Ausgabe mit dem Datenmodell des HIS integriert ist, einschließlich ICPC-2-Kodierungsunterstützung und der strukturierten Felder, die niederländische Hausarztakten erfordern. Veröffentlichte Belege über reale Auswirkungen im niederländischen HIS-Kontext bleiben begrenzt, und die Integrationskomplexität ist erheblich.

▶ Welche regulatorischen Anforderungen gelten für KI-Tools, die in niederländischen Hausarztpraxen verwendet werden?

KI-Tools, die die klinische Entscheidungsfindung beeinflussen, können in den Anwendungsbereich der EU-Medizinprodukteverordnung (EU-MDR) fallen und erfordern eine Konformitätsbewertung sowie CE-Kennzeichnung vor dem Einsatz in der klinischen Praxis. Die Algemene Verordening Gegevensbescherming (AVG), die niederländische Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), gilt für jede Verarbeitung von Patientendaten, einschließlich Audioaufnahmen von Konsultationen. Datenhaltung, insbesondere wenn Konsultationsaudio und abgeleitete klinische Notizen verarbeitet und gespeichert werden, ist ein praktisches Anliegen für niederländische Praxen, die KI-Tools evaluieren. Forschung zur Ethik der Verwendung von Daten aus Praxisverwaltungssystemen für die KI-Entwicklung im niederländischen Kontext identifiziert Datenschutz, Transparenz und Einwilligung als Hauptthemen, neben öffentlichem Vertrauen, fairer Repräsentation und verantwortungsvoller klinischer Integration.

▶ Was sollte eine niederländische Hausarztpraxis bei der Evaluierung oder beim Wechsel von HIS-Systemen berücksichtigen?

Praxen sollten sicherstellen, dass jedes in Betracht gezogene System über eine aktuelle XIS-Keurmerk-Zertifizierung verfügt. Zu den Schlüsselfaktoren gehören außerdem die Tiefe der ICPC-2-Kodierungsunterstützung, bestätigte LSP-Konnektivität und die Qualität des Anbieter-Supports, insbesondere für kleinere Praxen ohne eigenes IT-Personal. Der Systemwechsel beinhaltet die Migration jahrelanger strukturierter Patientendaten, die Neukonfiguration von Integrationen und die Schulung des Personals. Niederländische Forschung zur Adoption von Praxisverwaltungssystemen identifiziert durchgängig technische Barrieren und finanzielle Einschränkungen als erhebliche Hindernisse für einen Systemwechsel. Praxen sollten detaillierte Migrationsunterstützungszusagen von Anbietern einholen, bevor sie sich festlegen. Praxen, die an KI-gestützter Dokumentation interessiert sind, sollten zudem prüfen, ob ihr HIS-Anbieter die Integration mit solchen Tools unterstützt und welche Datenverarbeitungsvereinbarungen unter der DSGVO gelten.

▶ Welche Rolle spielt NedHIS auf dem niederländischen HIS-Markt?

NedHIS ist die Dachorganisation für HIS-Nutzerverbände in den Niederlanden. Sie bringt vier Hauptnutzergruppen zusammen: Sanday (vertritt Promedico-Nutzer), CGM HUISARTS, Orego (vertritt MicroHIS-Nutzer) und VeGOM (vertritt Medicom-Nutzer). NedHIS vertritt die Interessen dieser Gruppen im Dialog mit Anbietern, Normungsgremien und nationalen Gesundheitsbehörden. Die Mitgliedschaft in der relevanten NedHIS-Nutzergruppe bietet Praxen Zugang zu kollektiver Interessenvertretung, Peer-Wissensaustausch und Einfluss auf die Entwicklungs-Roadmaps der Anbieter.

Get started with Tandem today

Join thousands of clinicians enjoying stress-free documentation.

Get started with Tandem today

Join thousands of clinicians enjoying stress-free documentation.

Get started with Tandem today

Join thousands of clinicians enjoying stress-free documentation.