Die meistgenutzten Praxisverwaltungssysteme in der deutschen Hausarztpraxis
Entdecken Sie die führenden PVS-Systeme deutscher Hausärzte: TURBOMED, CGM MEDISTAR, medatixx und weitere. Erfahren Sie, wie KBV-Zertifizierung und TI-Anbindung den Markt prägen

Deutschland verfügt über eine der am stärksten regulierten und technisch komplexesten IT-Landschaften in der hausärztlichen Versorgung Europas. Hausärztinnen und Hausärzte arbeiten in einem System, in dem die Wahl der Praxissoftware – in Deutschland als Praxisverwaltungssystem (PVS) bekannt – durch gesetzliche Zertifizierungsanforderungen, die verpflichtende Anbindung an die nationale digitale Gesundheitsinfrastruktur und strenge Datenschutzvorgaben bestimmt wird. Um zu verstehen, welche Praxisverwaltungssysteme in deutschen Hausarztpraxen dominieren und warum, muss man sowohl den regulatorischen Rahmen als auch die detaillierten Installationsdaten betrachten, die die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) vierteljährlich veröffentlicht.
Wie Praxisverwaltungssysteme in der deutschen hausärztlichen Versorgung funktionieren
In deutschen Hausarztpraxen bildet das PVS das operative Rückgrat der täglichen Arbeit. Es steuert die klinische Dokumentation, die Verwaltung der Patientenakten, die Terminplanung und die Abrechnungen, die Praxen an ihre regionale Kassenärztliche Vereinigung (KV) übermitteln müssen.
Die Abrechnung in Deutschland folgt den KBV-Standards. Jede Einreichung wird über die ADT-Schnittstelle (Abrechnungsdatentransfer) verarbeitet, die auch die Installationsstatistiken generiert, welche die zuverlässigste Quelle für Marktdaten zu PVS-Systemen darstellen.
Forschung zur Datenerhebung in der deutschen hausärztlichen Versorgung bestätigt, dass PVS-Plattformen die primäre Quelle strukturierter klinischer Daten in deutschen Hausarztpraxen sind. Sie decken alles ab – von ICD-kodierten Diagnosen bis hin zu Rezeptdaten und Überweisungsdokumentation. Dieselbe Forschung hebt erhebliche Unterschiede zwischen den Systemen bei Datenerhebungsmethoden und den erfassten Variablen hervor, was sowohl die klinische Nutzbarkeit als auch den Forschungsnutzen beeinflusst.
Da jede Vertragsarztpraxis Abrechnungsdaten über ein KBV-zertifiziertes System einreichen muss, liefern die ADT-Statistiken ein nahezu vollständiges Bild der installierten Basis in ganz Deutschland. Im vierten Quartal 2025 sind 131 verschiedene PVS-Systeme aktiv im Einsatz in deutschen ambulanten Praxen. Diese Zahl spiegelt sowohl die Fragmentierung des Marktes als auch die Vielzahl von Altsystemen und Nischenlösungen wider, die noch in bestimmten Fachgebieten oder Regionen genutzt werden.
Welche regulatorischen Anforderungen die Einführung von Praxisverwaltungssystemen in Deutschland prägen
Der deutsche PVS-Markt wird durch regulatorische Anforderungen geprägt, die in den meisten anderen europäischen Ländern keine direkte Entsprechung haben. Um in einer Vertragsarztpraxis eingesetzt werden zu können, muss ein System über eine KBV-Zertifizierung verfügen. Diese bestätigt, dass es die technischen und funktionalen Standards für Abrechnung, klinische Kodierung und Datenaustausch erfüllt.
Die KBV führt eine kontinuierlich aktualisierte Liste aller zugelassenen Systeme und veröffentlicht vierteljährlich Installationsstatistiken, die aus ADT-Abrechnungseinreichungen abgeleitet werden.
Über die KBV-Zertifizierung hinaus müssen alle PVS-Systeme inzwischen an die Telematikinfrastruktur (TI), Deutschlands nationales sicheres Gesundheitsdatennetzwerk, angebunden sein und die elektronische Patientenakte (ePA) unterstützen. Die Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist für alle Systeme verpflichtend. Führende Anbieter verfügen zudem über eine ISO-27001-Zertifizierung für Informationssicherheitsmanagement.
Diese mehrschichtigen Anforderungen schaffen eine hohe Eintrittsbarriere für neue Anbieter und führen dazu, dass etablierte Anbieter fortlaufende Compliance-Verpflichtungen erfüllen müssen. Sie erklären auch, warum sich der deutsche Markt auf eine kleine Anzahl großer Anbieter konzentriert hat, die in der Lage sind, die technischen und regulatorischen Ressourcen bereitzustellen, die erforderlich sind, um die Zertifizierung über aufeinanderfolgende Infrastruktur-Updates hinweg zu erhalten.
Welche Praxisverwaltungssysteme in der deutschen Hausarztpraxis am weitesten verbreitet sind
TURBOMED (CompuGroup Medical)
Laut KBV-ADT-Installationsstatistik für Q1 2025 verfügt TURBOMED über die größte installierte Basis unter Hausärztinnen und Hausärzten in Deutschland mit 2.060 erfassten Installationen in diesem Quartal. CompuGroup Medical (CGM), eines der umsatzstärksten Health-IT-Unternehmen, besitzt das System, das seit Jahrzehnten eine feste Größe in der deutschen Hausarztpraxis ist.
TURBOMED ist bekannt für seine strukturierten Dokumentationsfunktionen und die Integration in KBV-Abrechnungsworkflows. Marktanteilsanalysen auf Basis der KBV-Daten Q2 2025 beziffern TURBOMED auf etwa 5,7 Prozent des gesamten ambulanten Marktes über alle Fachgruppen hinweg.
CGM MEDISTAR BLACK PRO (CompuGroup Medical)
CGM MEDISTAR BLACK PRO ist das am zweithäufigsten installierte PVS unter Hausärztinnen und Hausärzten mit 1.942 Installationen im ersten Quartal 2025. Medistar ist eine der am längsten etablierten Praxisverwaltungssystem-Marken in Deutschland mit einer Geschichte, die der Übernahme der Produktlinie durch CGM vorausgeht.
Es richtet sich an mittlere bis größere Hausarztpraxen und bietet umfassende Funktionalitäten für klinische Dokumentation, TI-Anbindung und ePA-Integration. Über den gesamten ambulanten Markt hinweg hält CGM MEDISTAR etwa 8,5 Prozent Marktanteil, was es zum größten einzelnen System nach diesem Maßstab macht, wenn alle Fachgruppen einbezogen werden.
medatixx
medatixx verzeichnete 1.617 Installationen unter Hausärztinnen und Hausärzten im ersten Quartal 2025. Es ist eines von nur zwei Systemen, die einen positiven Installationswachstumstrend in diesem Zeitraum aufweisen.
Die medatixx-Gruppe agiert als Anbieter mehrerer PVS-Markenprodukte, darunter easymed, x.comfort und x.concept, die auf Praxen unterschiedlicher Größe und Workflows zugeschnitten sind. Über seine Produktfamilie hinweg hat medatixx eine substanzielle Präsenz sowohl in der hausärztlichen als auch in der fachärztlichen Versorgung. medatixx schneidet zudem in unabhängigen Umfragen vergleichsweise gut bei Nutzerzufriedenheitskennzahlen ab.
x.isynet (CompuGroup Medical)
x.isynet, eine weitere CGM-Produktlinie, verzeichnete 1.601 Installationen unter Hausärztinnen und Hausärzten im ersten Quartal 2025. Es unterscheidet sich von TURBOMED und MEDISTAR durch seinen Zielmarkt und das Schnittstellendesign und richtet sich an Praxen, die eine andere Workflow-Konfiguration benötigen.
Zusammen mit TURBOMED und ALBIS erreicht die gesamte installierte Basis von CGM über die neun meistgenutzten Systeme in der Allgemeinmedizin etwa 5.135 Installationen, was eine dominante Position innerhalb der Fachgruppe darstellt.
T2med
T2med verzeichnete 1.504 Hausarzt-Installationen im ersten Quartal 2025. Es ist neben medatixx das andere System, das einen positiven Wachstumstrend in den KBV-Daten zeigt. Es ist ein etabliertes System mit einer treuen Nutzerbasis und schneidet relativ gut in Nutzerzufriedenheitsumfragen ab, die vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) durchgeführt werden.
Medical Office
Medical Office verzeichnete 1.494 Hausarzt-Installationen im ersten Quartal 2025. Es war Gegenstand veröffentlichter Machbarkeitsforschung, die untersucht, wie medizinische Dokumentationsdaten aus deutschen Hausarztpraxen extrahiert und für klinische Abfragen genutzt werden können. Diese Studie hob auch die Variabilität in den Dokumentationspraktiken zwischen einzelnen Behandlern hervor, die dasselbe System verwenden.
Medical Office rangiert durchweg unter den besser bewerteten Systemen für Nutzerzufriedenheit in unabhängigen Bewertungen.
Tomedo (Zollsoft)
Tomedo ist ein macOS-natives PVS, das vom deutschen Unternehmen Zollsoft entwickelt wurde und einen der neueren Marktteilnehmer im deutschen Hausarzt-Softwaremarkt darstellt. Es erscheint nicht in den Top Ten der KBV-ADT-Statistiken für Hausärztinnen und Hausärzte nach Volumen.
Es rangiert aber durchweg unter den am höchsten bewerteten Systemen für Benutzerfreundlichkeit und Nutzerzufriedenheit in Zi-Umfragen und unabhängigen Vergleichen. Besonders bei jüngeren oder technologieaffinen Praxen sowie bei solchen, die auf Apple-Hardware setzen, hat es an Zugkraft gewonnen. Diese Konfiguration wird von den dominierenden CGM- und medatixx-Produkten nicht nativ unterstützt.
ALBIS, x.concept und andere zertifizierte Systeme
ALBIS (ein CGM-Produkt) verzeichnete 1.133 Hausarzt-Installationen im ersten Quartal 2025, und x.concept (Teil der medatixx-Gruppe) verzeichnete 1.267. Weitere zertifizierte Systeme mit regionaler oder Nischenpräsenz umfassen DURIA (608 Installationen unter Hausärztinnen und Hausärzten im ersten Quartal 2025), Quincy und DocCirrus.
Elefant führt den gesamten ambulanten Markt über alle Fachgruppen hinweg mit etwa 10.990 Gesamtinstallationen an, seine Nutzerbasis konzentriert sich jedoch auf Psychotherapie und Psychiatrie und nicht auf die Hausarztpraxis.
Wie deutsche Hausärztinnen und Hausärzte ein Praxisverwaltungssystem auswählen
Der Entscheidungsprozess für die PVS-Auswahl in der deutschen Hausarztpraxis wird durch eine Kombination aus regulatorischen, technischen, finanziellen und praktischen Faktoren bestimmt:
KBV-Zertifizierungsstatus: Nur zertifizierte Systeme können für die vertragsärztliche Abrechnung verwendet werden. Dies ist eine unverzichtbare Grundvoraussetzung, die die verfügbaren Optionen sofort einschränkt.
TI- und ePA-Kompatibilität: Seit Oktober 2025 sind alle Praxen gesetzlich verpflichtet, mit der ePA zu arbeiten. Systeme, die bei TI-Konnektor-Updates oder der ePA-Integration hinterherhinken, schaffen Compliance-Risiken für die Praxis.
Kostenstruktur: Lizenzierung, Implementierung und laufende Supportkosten variieren erheblich zwischen den Anbietern. Einige Systeme arbeiten mit Abonnementmodellen, andere bieten eine einmalige Lizenzierung mit jährlichen Wartungsgebühren.
Benutzerfreundlichkeit und Workflow-Passung: Laut Zi-Umfragedaten zu PVS-Systemen möchte ein erheblicher Anteil der Praxen das System wechseln. Diese Zahl spiegelt die Lücke zwischen Marktdominanz und Nutzerzufriedenheit wider, insbesondere bei CGM-Produkten.
Integration mit Laborsystemen und Überweisungsworkflows: Hausärztinnen und Hausärzte benötigen einen nahtlosen Datenaustausch mit Laboranbietern und Facharztpraxen. Systeme, die diese Integrationen zuverlässig abbilden, reduzieren den administrativen Aufwand.
Regionale Supportverfügbarkeit: Da technische Probleme mit TI-Konnektoren mehr als 80 Prozent der Praxen betreffen, ist die Qualität und Reaktionsfähigkeit des lokalen oder regionalen Anbietersupports eine bedeutende praktische Überlegung.
Eine Mixed-Methods-Studie zu Hausarztpraxen in Brandenburg ergab, dass bestehende Infrastruktur eine starke Anziehungskraft auf digitale Einführungsentscheidungen ausübt. Hausärztinnen und Hausärzte, deren Workflows tief in ein bestimmtes PVS eingebettet sind, wechseln seltener, selbst wenn sie unzufrieden sind, da ein Wechsel erhebliche Störungskosten mit sich bringt.
Die Wechselbereitschaft, wie vom Zi gemessen, ist von 44,4 Prozent im Jahr 2024 auf 33,3 Prozent im Jahr 2025 gesunken. Eine mögliche Interpretation ist, dass dieser Rückgang eher auf wahrgenommene Wechselbarrieren als auf verbesserte Zufriedenheit zurückzuführen ist, auch wenn die Daten keine eindeutige Schlussfolgerung zulassen.
Welche Rolle die Telematikinfrastruktur und ePA bei der Gestaltung des Marktes spielen
Deutschlands nationale digitale Gesundheitsinfrastruktur ist zum wichtigsten externen Treiber der PVS-Entwicklung geworden. Die Telematikinfrastruktur (TI) ist das sichere Netzwerk, über das Praxen Daten mit Krankenkassen, Apotheken, Krankenhäusern und anderen Leistungserbringern austauschen. Alle zertifizierten PVS-Systeme müssen einen funktionierenden TI-Konnektor bereitstellen. Diese Anforderung hat sich in der Praxis als technisch anspruchsvoll erwiesen.
Die elektronische Patientenakte (ePA) fügt eine weitere Verpflichtungsebene hinzu. Ab Januar 2025 wurden ePA-Akten automatisch für alle etwa 70 Millionen gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland nach einem Opt-out-Modell erstellt.
Ab dem 1. Oktober 2025 sind alle Arztpraxen, Krankenhäuser und Apotheken gesetzlich verpflichtet, mit der ePA zu arbeiten. Das bedeutet, dass PVS-Systeme, die ePA-Workflows nicht unterstützen können, ein direktes Compliance-Risiko für ihre Nutzer darstellen.
Das Opt-out-Modell hat erhebliche Auswirkungen auf die klinische Dokumentation. Praxen müssen in der Lage sein, relevante Dokumente auf Anfrage in die ePA eines Patienten hochzuladen. Die ePA soll letztlich als Längsschnittakte dienen, die über Versorgungsbereiche hinweg zugänglich ist. Die frühe Implementierung verlief nicht ohne Schwierigkeiten. Führungskräfte in der hausärztlichen Versorgung berichteten nach dem Mandat vom Oktober 2025 von langsamen Upload-Geschwindigkeiten für Dokumente und uneinheitlicher Performance je nach Anbieter.
Für PVS-Anbieter erzeugen die TI- und ePA-Anforderungen einen kontinuierlichen Entwicklungsdruck. Systeme, die mit Infrastruktur-Updates nicht Schritt halten, riskieren den Verlust ihrer Zertifizierung und damit ihrer gesamten installierten Basis.
Was Marktkonsolidierung für Praxen bedeutet
Der deutsche PVS-Markt ist stark konsolidiert. CompuGroup Medical kontrolliert mehrere Produktlinien, darunter TURBOMED, CGM MEDISTAR BLACK PRO, ALBIS und x.isynet. Das verschafft dem Unternehmen eine kombinierte installierte Basis, die zusammen mit der medatixx-Gruppe etwa 65 Prozent der Top-Neun-Installationen in der Allgemeinmedizin ausmacht.
Über den gesamten ambulanten Markt und alle Fachgruppen hinweg kontrollieren CGM und medatixx zusammen schätzungsweise 65 Prozent des Marktes nach Installationszahl.
Diese Konzentration hat praktische Konsequenzen für Praxen:
Anbieterabhängigkeit: Praxen, die CGM-Produkte nutzen, unterliegen den Preis-, Update-Zyklen und Support-Entscheidungen von CGM. Die Breite des CGM-Portfolios bedeutet, dass ein Wechsel zwischen CGM-Produkten diese Abhängigkeit nicht unbedingt verringert.
Interoperabilität: CGM-Produkte sind nicht immer nahtlos miteinander oder mit Drittanbieter-Tools interoperabel. Diese Einschränkung betrifft Praxen, die zusätzliche klinische oder administrative Software integrieren möchten.
Zufriedenheitslücke: Zi-Umfragedaten zeigen durchweg, dass CGM MEDISTAR BLACK PRO und TURBOMED zu den am niedrigsten bewerteten Systemen für Nutzerzufriedenheit gehören, obwohl sie die größten installierten Basen in der Hausarztpraxis haben. Diese Diskrepanz zwischen Marktanteil und Nutzererfahrung ist ein wiederkehrender Befund in der deutschen Health-IT-Forschung.
Aufkommender Wettbewerb: Systeme wie Tomedo und T2med gewinnen bei Praxen an Boden, die Alternativen suchen, insbesondere dort, wo Benutzerfreundlichkeit und modernes Schnittstellendesign Priorität haben. Die positiven Installationswachstumstrends, die für T2med und medatixx im ersten Quartal 2025 verzeichnet wurden, deuten darauf hin, dass der Markt, obwohl konsolidiert, nicht völlig statisch ist.
Neue Trends: KI und Ambient Voice Technology in deutschen Praxisverwaltungssystemen
In der europäischen hausärztlichen Versorgung beginnt KI-gestützte klinische Dokumentation, einschließlich Ambient Voice Technology (AVT, Software, die einer klinischen Konsultation zuhört und strukturierte Notizen in Echtzeit generiert) und Transkription in Echtzeit (Live-Umwandlung von Sprache in Text), den Dokumentationsaufwand für Hausärztinnen und Hausärzte zu reduzieren. In Deutschland überschneidet sich dieser Trend mit der bestehenden PVS-Infrastruktur auf eine Weise, die sowohl technisch als auch regulatorisch komplex ist.
Nutzerzentrierte Anforderungsanalysen für KI-basierte klinische Entscheidungsunterstützung in der deutschen Hausarztpraxis zeigen, dass Hausärztinnen und Hausärzte Systeme wünschen, die Patientendaten direkt aus medizinischen Dokumentationssystemen übernehmen, Differentialdiagnose-Wahrscheinlichkeiten anzeigen und die Kommunikation mit Kolleginnen und Kollegen unterstützen können. (Siehe auch: Überblick über klinische Entscheidungsunterstützungstools.)
Separat ergab Machbarkeitsforschung zu Add-on-Software für medizinische Dokumentationssysteme in deutschen Hausarztpraxen, dass Add-on-Tools zwar gut akzeptiert werden, wenn die Benutzerfreundlichkeit hoch ist, das Fehlen einer standardisierten Datenextraktionsschnittstelle in deutschen Praxisverwaltungssystemen jedoch technische Hürden schafft, die die Integration erschweren.
Werden KI-Tools auf bestehende PVS-Infrastruktur aufgesetzt, sind mehrere regulatorische Aspekte zu beachten:
EU-MDR: KI-Tools, die die klinische Entscheidungsfindung beeinflussen, können als Medizinprodukte unter der EU-MDR (Medizinprodukteverordnung) eingestuft werden und erfordern eine Konformitätsbewertung vor dem Einsatz.
DSGVO und Datenhaltung in der EU: Von KI-Systemen verarbeitete Patientendaten müssen der DSGVO entsprechen. Viele deutsche Gesundheitsorganisationen verlangen, dass Daten innerhalb der EU-Grenzen gespeichert werden. Diese Anforderung schließt einige internationale KI-Anbieter aus.
ISO 27001: Von KI-Anbietern, die eine Integration mit zertifizierten PVS-Systemen in Deutschland anstreben, wird zunehmend erwartet, dass sie eine ISO-27001-Zertifizierung als grundlegende Sicherheitsgarantie vorweisen.
Der Dokumentationsaufwand für deutsche Hausärztinnen und Hausärzte bleibt erheblich. Die Zi-Umfragedaten und die hohen Unzufriedenheitsraten mit aktuellen PVS-Systemen zeigen, dass eine Nachfrage nach Tools besteht, die administrative Hürden reduzieren. Das regulatorische Umfeld bedeutet, dass jede KI-Integration Zertifizierungs-, Datenschutz- und Interoperabilitätsanforderungen erfüllen muss, bevor sie im großen Maßstab in der deutschen hausärztlichen Versorgung eingesetzt werden kann.
Die Evidenzbasis für KI-gestützte Dokumentation speziell in der deutschen hausärztlichen Versorgung ist bislang begrenzt. Die meisten veröffentlichten Studien zu Ambient Voice Technology und KI-Medizinschreibern stammen aus den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich, wo sich der regulatorische und infrastrukturelle Kontext deutlich unterscheidet. Ob diese Erkenntnisse auf das deutsche Setting mit seiner verpflichtenden TI-Anbindung, den KBV-Zertifizierungsanforderungen und den strengen Erwartungen an die Datenhaltung übertragbar sind, erfordert weitere kontextspezifische Evaluation, bevor belastbare Schlüsse gezogen werden können.
Häufig gestellte Fragen
▶ Welche Praxisverwaltungssysteme werden von Hausärztinnen und Hausärzten in Deutschland am häufigsten verwendet
Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) ADT-Installationsstatistik für Q1 2025 sind die fünf am häufigsten installierten Praxisverwaltungssysteme unter deutschen Hausärztinnen und Hausärzten TURBOMED (2.060 Installationen), CGM MEDISTAR BLACK PRO (1.942), medatixx (1.617), x.isynet (1.601) und T2med (1.504). TURBOMED und CGM MEDISTAR BLACK PRO gehören beide zu CompuGroup Medical, das eine dominante Position auf dem deutschen Hausarztmarkt innehat.
▶ Was ist ein Praxisverwaltungssystem und was macht es
Ein Praxisverwaltungssystem (PVS) ist die Praxissoftware, die in deutschen Hausarztpraxen verwendet wird. Es steuert die klinische Dokumentation, die Verwaltung der Patientenakten, die Terminplanung und die Abrechnung an die regionale Kassenärztliche Vereinigung. Jede Vertragsarztpraxis muss Abrechnungsdaten über ein KBV-zertifiziertes PVS einreichen, was es zum operativen Rückgrat der täglichen Arbeit in der deutschen Hausarztpraxis macht.
▶ Welche regulatorischen Anforderungen muss ein Praxisverwaltungssystem in Deutschland erfüllen
Ein PVS, das in einer deutschen Vertragsarztpraxis verwendet wird, muss über eine KBV-Zertifizierung verfügen, die bestätigt, dass es die technischen und funktionalen Standards für Abrechnung, klinische Kodierung und Datenaustausch erfüllt. Systeme müssen zudem an die Telematikinfrastruktur (TI), Deutschlands nationales sicheres Gesundheitsdatennetzwerk, angebunden sein und die elektronische Patientenakte (ePA) unterstützen. Die Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist verpflichtend. Führende Anbieter verfügen zusätzlich über eine ISO-27001-Zertifizierung für Informationssicherheitsmanagement.
▶ Wie konzentriert ist der deutsche Hausarzt-Praxisverwaltungssystem-Markt
Der Markt ist stark konsolidiert. CompuGroup Medical kontrolliert mehrere Produktlinien, darunter TURBOMED, CGM MEDISTAR BLACK PRO, ALBIS und x.isynet. Zusammen mit der medatixx-Gruppe machen diese beiden Anbieter etwa 65 Prozent der Top-Neun-Installationen in der Allgemeinmedizin aus. Über den gesamten ambulanten Markt und alle Fachgruppen hinweg kontrollieren CompuGroup Medical und medatixx zusammen schätzungsweise 65 Prozent des Marktes nach Installationszahl.
▶ Wie zufrieden sind deutsche Hausärztinnen und Hausärzte mit ihrem aktuellen Praxisverwaltungssystem
Zi (Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung)-Umfragedaten zeigen durchweg, dass CGM MEDISTAR BLACK PRO und TURBOMED zu den am niedrigsten bewerteten Systemen für Nutzerzufriedenheit gehören, obwohl sie die größten installierten Basen in der Hausarztpraxis haben. Der Anteil der Praxen, die das System wechseln möchten, fiel von 44,4 Prozent im Jahr 2024 auf 33,3 Prozent im Jahr 2025, wobei die Daten keine eindeutige Schlussfolgerung darüber zulassen, ob dies auf verbesserte Zufriedenheit oder auf wahrgenommene Wechselbarrieren zurückzuführen ist.
▶ Welche Faktoren berücksichtigen deutsche Hausärztinnen und Hausärzte bei der Auswahl eines Praxisverwaltungssystems
Der KBV-Zertifizierungsstatus ist eine unverzichtbare Grundvoraussetzung, da nur zertifizierte Systeme für die vertragsärztliche Abrechnung verwendet werden können. Darüber hinaus wägen Hausärztinnen und Hausärzte TI- und ePA-Kompatibilität, Lizenzierungs- und Supportkosten, Benutzerfreundlichkeit und Workflow-Passung, Integration mit Laborsystemen und Überweisungsworkflows sowie die Qualität des regionalen Anbietersupports ab. Mehr als 80 Prozent der Praxen erleben technische Probleme mit TI-Konnektoren, was die Reaktionsfähigkeit des lokalen Supports zu einer bedeutenden praktischen Überlegung macht.
▶ Welche Rolle spielt die elektronische Patientenakte bei der Gestaltung des PVS-Marktes
Die ePA ist zu einem wichtigen Treiber der PVS-Entwicklung geworden. Ab Januar 2025 wurden ePA-Akten automatisch für alle etwa 70 Millionen gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland nach einem Opt-out-Modell erstellt. Ab dem 1. Oktober 2025 sind alle Hausarztpraxen, Krankenhäuser und Apotheken gesetzlich verpflichtet, mit der ePA zu arbeiten. Systeme, die ePA-Workflows nicht unterstützen können, schaffen ein direktes Compliance-Risiko für ihre Nutzer. Anbieter, die mit Infrastruktur-Updates nicht Schritt halten, riskieren den vollständigen Verlust ihrer KBV-Zertifizierung.
▶ Welche Praxisverwaltungssysteme wachsen in der deutschen Hausarztpraxis
KBV-ADT-Daten für Q1 2025 zeigen, dass medatixx und T2med die einzigen beiden Systeme unter den führenden Hausarzt-Installationen sind, die einen positiven Wachstumstrend verzeichnen. Tomedo, ein macOS-natives System, das vom deutschen Unternehmen Zollsoft entwickelt wurde, erscheint nicht in den Top Ten nach Volumen, rangiert aber durchweg unter den am höchsten bewerteten Systemen für Benutzerfreundlichkeit in Zi-Umfragen. Es hat besonders bei Praxen, die auf Apple-Hardware setzen, und solchen, die modernes Schnittstellendesign priorisieren, an Zugkraft gewonnen.
▶ Können KI-gestützte klinische Dokumentationstools mit deutschen Praxisverwaltungssystemen integriert werden
KI-Tools, einschließlich Ambient Voice Technology (Software, die einer klinischen Konsultation zuhört und strukturierte Notizen in Echtzeit generiert) und Transkription in Echtzeit (Live-Umwandlung von Sprache in Text), halten in der europäischen hausärztlichen Versorgung Einzug. In Deutschland wirft die Integration dieser Tools mit bestehender PVS-Infrastruktur mehrere regulatorische Fragen auf. KI-Tools, die die klinische Entscheidungsfindung beeinflussen, können als Medizinprodukte unter der EU-MDR eingestuft werden und erfordern eine Konformitätsbewertung vor dem Einsatz. Von KI-Systemen verarbeitete Patientendaten müssen der DSGVO entsprechen. Viele deutsche Gesundheitsorganisationen verlangen, dass Daten innerhalb der EU-Grenzen gespeichert werden. Das Fehlen einer standardisierten Datenextraktionsschnittstelle in deutschen Praxisverwaltungssystemen stellt zudem eine technische Hürde dar, die die Integration erschwert.
▶ Wie zuverlässig sind die KBV-Installationsdaten als Quelle für Informationen zum deutschen PVS-Markt
Die KBV-ADT-Statistiken gelten weithin als die zuverlässigste Quelle für PVS-Marktdaten in Deutschland. Da jede Vertragsarztpraxis Abrechnungsdaten über ein KBV-zertifiziertes System einreichen muss, liefern die ADT-Statistiken ein nahezu vollständiges Bild der installierten Basis im ganzen Land. Im vierten Quartal 2025 sind 131 verschiedene PVS-Systeme aktiv im Einsatz in deutschen ambulanten Praxen. Die KBV veröffentlicht diese Installationsstatistiken vierteljährlich, und sie bilden die Grundlage der meisten unabhängigen Marktanteilsanalysen.